Managergehälter

„Es muss gerecht zugehen“

Die Gehälter von DAX-Managern sind in die Schlagzeilen geraten – und beschäftigen inzwischen auch die Politik. Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, warnt im Interview vor voreiligen Schlussfolgerungen und plädiert für Höchstgrenzen, die sich an den Durchschnittslöhnen der Beschäftigten orientieren. So würden in guten Unternehmen, die ihre Mitarbeiter gut entlohnen auch gute Managergehälter gezahlt.

Stefan Koch

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE
29.03.2017

Es gibt eine breite Diskussion zur Begrenzung von Managergehältern - nun auch einen Gesetzentwurf der SPD dazu. Wie ist dieses Thema einzuschätzen?

Es gehört zu den Prinzipen der sozialen Marktwirtschaft, dass es gerecht zugeht bei der Verteilung des wirtschaftlichen Erfolgs eines Unternehmens. Da gibt es die Eigentümer, die Mitarbeiter und die Führungsmannschaft und über die Steuern nicht zuletzt den Staat, die es zu berücksichtigen gilt. In den letzten Jahren hat sich bei den Managergehältern etwas verschoben, das wir diskutieren müssen, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. Von extremen Einzelfällen wie etwa Volkswagen - wo der Dieselskandal und die Gewährung extrem hoher Boni und Abfindungen zusammenfielen - auf alle Konzerne zu schließen, ist nun wirklich nicht zielführend.

Was wären richtige Ansätze? Das Gesetz der SPD?

Der Entwurf enthält richtige und kritische Punkte. Die steuerliche Absetzbarkeit der Vorstandsvergütung zu begrenzen ist zwar nicht systematisch, im Zweifel aber in Ordnung. Denn es ist ein Symbol dafür, dass der Staat extrem hohe Gehälter nicht auch noch subventioniert. Eine der Forderungen, die im Übrigen auch die Union im Koalitionsvertrag bereits hinterlegt hatte, ist die Verlagerung der Entscheidung über die Managergehälter in die Hauptversammlung. Das halte ich für Unsinn. Was will man damit erreichen? Eine stärkere Begrenzung? Dort sitzen die Eigentümer, die - wenn man mal von einigen wenigen kritischen Kleinaktionären absieht - keine Kritik an hohen Managergehältern üben, sondern viel mehr ihre zum Teil radikal renditeorientierten Interessen in der Unternehmensführung wiederfinden wollen. Da machen wir also den Bock zum Gärtner.

Was stattdessen?

Zunächst gibt es seit vielen Jahren die Regierungskommission "Deutscher Corporate Governance Kodex", die kontinuierlich Vorgaben für die gute Unternehmensführung macht. Daran müssen sich die Unternehmen halten oder im Zweifel erklären, warum sie es nicht tun. Hier ist im Übrigen auch eine Quelle für den Umstand zu finden, dass es "Vorgaben" für die Aufsichtsräte gibt, wie denn die Gehaltsfindung der Manager zu erfolgen hat. Zum Beispiel durch Vergleiche mit den Konkurrenten und mit der Anforderung, dass auch Boni enthalten sein sollen. Leider hat sich diese von der Regierung eingesetzte Kommission noch nicht mit modernen Parametern und einer konkreten Dimension angemessener Vorstandvergütungen befasst. Das wäre auch für die Aufsichtsräte wirklich hilfreich.

Was wäre die Empfehlung an die Kommission?

In der Diskussion ist immer wieder die "Manager to Worker Pay Ratio". Sie behandelt das Verhältnis der Vorstandsgehälter im Vergleich zu den an alle anderen Beschäftigten gezahlten Entgelten. Das soll nach Empfehlung der Kommission auch im Aufsichtsrat behandelt werden. Aber zu einer Zahl, die ein angemessenes Verhältnis ausweist, hat die Kommission bislang nichts gesagt. Das ist aber nicht Fisch und nicht Fleisch. Wir sollten die Berechnung standardisieren und eine Relation festlegen. Dann werden die Zahlen veröffentlicht, und die Hauptversammlung behandelt das Thema dann sowieso im Rahmen des Jahresabschlusses. Da es bei dieser Kennzahl einen Zähler und Nenner gibt, kann ich als Gewerkschafter damit gut arbeiten. So würde in guten Unternehmen, die gut verdienen und ihre Leute gut bezahlen auch ein gutes Managergehalt gezahlt. Das ist in Ordnung. Ich bin Aufsichtsrat bei der BASF SE und bei der K&S AG. Dort haben wir Ratios von 31 beziehungsweise 22. Also meilenweit weg von den diskutierten 141 bei VW.

Sind die Aussichtsräte und darin die Arbeitnehmervertreter auch in der Pflicht?

Ja natürlich. Die Aussichtsräte entscheiden ja über die Gehälter nach den Vorgaben des Kodex. Aber wenn man sich die etwas absurde Debatte, die etwa Jens Spahn von der Union losgetreten hat, einmal ernsthaft vor Augen führt, dann kommt dabei folgendes zu Tage: Herr Spahn und die Union wollen kein Gesetz zur Begrenzung der Managergehälter. Sie legen aber auch nichts anderes vor, sondern wollen die Verantwortung auf die Arbeitnehmervertreter lenken. Erstens scheint es keine Verantwortung der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat zu geben oder die Union traut ihnen nichts zu. Wenn also ernst gemeint ist, dass die Arbeitsnehmervertreter allein die Angemessenheit der Vorstandsgehälter wahrnehmen sollen, dann her mit der paritätischen Mitbestimmung oder noch besser mit einer nötigen 2/3 Mehrheit im Aufsichtsrat bei Gehaltsfragen. Und natürlich würde auch eine Empfehlung von Herrn Spahn und der Union über die Höhe und die Parameter der angemessenen Höhe weiterhelfen. Sich darüber auszuschweigen - so geht es nun auch nicht.

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